Erste Schenkenzeller Wasserleitung

Willy Schoch

Erste öffentliche Wasserleitung in Schenkenzell.
Inbetriebnahme am 07. Dezember 1929.

Vor 80 Jahren kam für die Schenkenzeller Bürger die weihnachtliche Bescherung früher. Am 7. Dezember 1929 war großes Wasserfest. Die erste öffentliche Wasserleitung wurde in Betrieb genommen. Manche Hausfrau in Schenkenzell, die bislang bei Regen und Schnee jeden Tropfen oft weit her von den öffentlichen Brunnen holen musste, mag an diesem Tag ein aufrichtiges »Gott sei Dank!« zum Himmel geschickt haben.

Die Inbetriebnahme dieser ersten Wasserleitung wurde damals in der Gemeinde gebührend gefeiert. Schon am Nachmittag konnte die Freiwillige Feuerwehr anlässlich ihrer Herbstschlussprobe die neuen Hydranten ausprobieren.

Wasserleitung

Die glänzende Funktion wurde gleich anschließend im Gasthaus »Sonne« bei Freibier gefeiert.

Das öffentliche Wasserfest fand jedoch abends im »Ochsen« statt. Der Gesangverein unter der Leitung von Hauptlehrer Gorenflo und der Musikverein mit Dirigent Fleischmann wetteiferten mit ihren Darbietungen. Ein Vertreter der Baufirma Grosselfinder aus Offenburg sprach über die Baugeschichte der neuen Wasserversorgung.

Die Dankansprache an alle Beteiligten hielt Bürgermeister Hermann Hauer. »Wir haben allen Grund, uns des neuen Werks zu freuen. Denken wir nicht zuviel an unsere Schulden, die uns dadurch entstanden sind. Unsere Nachkommen dürfen sich ruhig auch noch darum kümmern«, so der Bürgermeister.

Es war zu hören, dass an diesem Abend von der ziemlich ausgedehnten Polizeistunde beim Ochsenwirt reger Gebrauch gemacht wurde. Der Ort Schenkenzell, ohne das damals noch selbständige Bergzell, hatte im Jahre 1929 rund 650 Einwohner. Von den insgesamt 130 Haushaltungen wurden 120 an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Der Rest war entweder zu weit abgelegen oder hatte eigene Brunnen.

Erstmals befasste sich der Gemeinderat im Jahr 1926 mit dem Thema Wasserversorgung. Anlass war der Mangel an gutem und ausreichendem Trinkwasser. Einem Bericht des Medizinalrats Kiefer anlässlich einer Ortsbereisung ist zu entnehmen, dass im Ort fünf laufende Brunnen vorhanden waren und zwar bei der Bahnhofswirtschaft, vor dem »Ochsen«, bei der Dorfmühle, vor der »Sonne« und auf der Spannstatt. Rund neunzig Prozent der Dorfeinwohner besaßen eigene Pumpbrunnen mit Grundwasser aus der Kinzig und Reinerzau. Das Wasser war oft trüb und verströmte einen üblen Geruch.

Namentlich wurde Maler Herrmann erwähnt, der Wasser aus dem Mühlekanal entnehme, der zeitweise auch als Badeanstalt diente. Dieser Zustand war schlicht unhaltbar. Seit Jahren sei die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen sehr hoch, konstatierte Kiefer.

Gefordert wurde eine geordnete Trinkwasserversorgung. Mögliche Quellen lagen im Gebiet Kohlbrunnen auf dem Kuhberg. Messungen ergaben eine ausreichende Wasserschüttung.

Selbst bei absoluter Trockenheit wurden noch zwei Sekundenliter garantiert. Auch die Wasserqualität wurde als einwandfrei bewertet.


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