Polizeidiener in Schenkenzell. Auf Fuhrwerk schlafend angetroffen.

Von Willy Schoch

Für Sitte und Moral waren bis ins 19. Jahrhundert hinein nicht nur der Pfarrer, sondern auch die Orts- und Polizeidiener zuständig. Sie sollten "respekterheischend uniformiert nach dem Rechten sehen". Vielfach waren die Polizeidiener gleichzeitig auch noch Ortsdiener und Feldhüter in Personalunion. Als Ortsdiener hatte er Dienstgeschäfte für die Verwaltung zu erledigen, insbesondere die Beitreibung von Steuern und Abgaben.

Die wohl ersten Polizeidiener Jakob Springmann für die Gemeinde Schenkenzell und Ignaz Glück für die Gemeinde Bergzell wurden 1847 vom Großherzoglichen Bezirksamt Wolfach über ihre Dienstpflichten belehrt und verpflichtet. Die Dienstkleidung war einheitlich. Sie bestand in einem dunkelblauen sogenannten Waffenrock mit einer Reihe, gelben metallenen Knöpfen und rotem Stoß, angefertigt nach dem Muster der Gendarmerie-Waffenräte. Ferner ein Paar dunkelblauen Hosen mit rotem Stoß, einer ebensolchen Kappe mit breitem Schild, einem dunkelgrauen Infanterie-Mantel und einem Infanterie-Säbel mit schwarzledernem Koppel um den Leib.
Weiter gehörten eine Glocke für Bekanntmachungen und zwei Schlüssel für den Arrest zur Ausrüstung.

Polizeidiener hatten ein schweres Los. Der eine oder andere wurde "wegen Flauheit seines Amtes" oder als "Gesellschafter der Branntweintrinker" abgesetzt. Nach der Bewerberausschreibung hatte der Gemeinderat dem Bezirksamt gegenüber ein Vorschlagsrecht. Vielfach ging das Bezirksamt auf den Vorschlag ein. Es gab aber auch Fälle, in denen die Obrigkeit bestimmte, wem "dieser Dienst zu Gebote steht".

Die Polizeidiener standen an der Spitze der Gemeinde. In der Hierarchie kam der Polizeidiener gleich nach dem Bürgermeister, dem Ratschreiber und dem Gemeinderechner. Anfangs erfolgte die Entlohnung in Naturalien, später erhielten sie ein gesetzliches Gehalt von der Gemeinde.

Das Bezirksamt führte früher alljährlich in den Gemeinden Ortsbereisungen durch. Es wurden hier "die öffentlichen Zustände der Gemeinde" überprüft. Anlässlich einer solchen Ortsbereisung wurde dem Bürgermeister und Gemeinderat folgendes eröffnet: "Polizeidiener G. soll nach zuverlässiger Mitteilung nicht selten stark betrunken sein, was uns vom Gemeinderat verschwiegen wurde." Es soll ihm eröffnet werden, dass "er seine Entlassung zu gewärtigen habe", wenn er sich nicht bessere.

Der wohl dienstälteste Polizeidiener der beiden Gemeinden war der ledige Schneider Andreas Kopp, zuletzt wohnhaft im Grubersgrund und 1919 mit 81 Jahren gestorben. Kopp wurde als sehr aktiver, beliebter und gewissenhafter Polizeidiener beschrieben. Er wirkte von 1875 bis 1908. Aus seiner Dienstzeit sind im Archiv der Gemeinde interessante Strafverfügungen enthalten. Im Jahre 1875 gab es die Straße durch das Kinzigtal, aber keine Kraftfahrzeuge. Einziges Transportmittel waren die Pferdefuhrwerke. Mancher Fuhrmann wurde schlafend von Kopp angetroffen. Anzeige: "Der Postknecht Christian Heinrich von Alpirsbach ist am 29. Juni abends auf dem Postwagen nach Alpirsbach fahrend schlafend angetroffen worden". Acht Mark Strafe musste der Fuhrmann Joseph Gaus aus Empfingen bezahlen, als er auf einem hoch beladenen Zweispännerfuhrwerk bei der Schloßbrücke schlafend angehalten wurde.

Der Sägmüller Scharfenecker aus Alpirsbach fuhr mit 18 Festmeter Langholz durch den Ort, ohne dass der Wagen mit einer "Schwicke" versehen war. Kopp hatte eine Sieben-Tage-Woche. Selbst sonntags schaute er auf die Einhaltung der Sonntagsruhe in der Gemeinde. Vergehen gab es immer wieder. "Ulrich Trautwein, Christian Trautwein und Consorten, Flößer von Schiltach, haben am Sonntag, 27. Juni 1875 auf dem Schenkenzeller Floßweiher mit ihrer Mannschaft ohne Erlaubnis gearbeitet". Im Jahre 1883 wurde gar der Bierbrauer Glauner aus Alpirsbach beschuldigt, am Sonntag. 8. Juli, einen Wagen voll Bier von Alpirsbach durch Schenkenzell geführt zu haben.

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