Farbmuehle


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Farbmühle Wittichen

Willy Schoch

Produktänderungen im Laufe der Zeit (1703 -1974)
Kobaltfarbe – Rohpapier – Chlor - Reißbaumwolle


Recht beachtlich waren die Silber- und Kobaltvorkommen in der Gemeinde Kaltbrunn, speziell im Ortsteil Wittichen.
Die erste Grube wurde nach einer Urkunde 1517 eröffnet.  In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau zum völligen Erliegen.

Interessant ist das Urteil eines Bergbaufachmannes aus dem 19. Jahrhundert, nach welchem das Obere Kinzigtal durch seine unterirdischen Reichtümer ehemals den Ruf eines kleinen Peru in der großen bergmännischen Welt
erworben habe. Es wurde behauptet, dass die Witticher Gruben zu diesem Ruhm in starkem Maße beigetragen haben.

Die Gemeinde Kaltbrunn hat in der Geschichte des Schwarzwälder Bergbaues ohne Zweifel eine besondere Bedeutung erlangt.
Um 1700 begann eine letzte Blütezeit auf den Zechen „Güte Gottes“, „Gnade Gottes“. „Sophia“, „St. Wenzel“ und wie sie alle hießen. Neben Silber wurde damals vor allem Kobalt gemutet.
„Unterhalb von Wittichen“, auf Schenkenzeller Gemarkung stand eine Farbmühle zur Produktion von Kobaltfarben. Das wertvolle Kobaltblau, wurde hauptsächlich zur Porzellanmalerei und Glasfärberei verwendet.


Bedeutendste Farbmühle im Schwarzwald

Dieses Blaufarbenwerk exportierte seine Erzeugnisse über die Grenzen Deutschlands hinaus in verschiedene europäische Länder. Es war die bedeutendste Farbmühle des Schwarzwaldes. Neben einem Farbmeister, einem Buchhalter waren weitere 70 Arbeiter beschäftigt. Zu diesem guten Ruf verhalf das Calwer Handelshaus Doertenbach, welches einen ausgedehnten Tuchhandel betrieb und damit zu einem bedeutenden Unternehmen Süddeutschlands aufgestiegen war.

Doertenbach übernahm von der in Konkurs geratenen Nürnberger Gesellschaft mehr und mehr Bergwerksanteile. Als er die Mehrheit der Kuxe besaß, bat er um Verleihung der Witticher Gruben und des Farbwerkes, die ihm 1721 von der fürstenbergischen Regierung gewährt wurde. Das Blaufarbenwerk warf anfangs große Gewinne ab, die das Interesse am Bergbau wach hielten und der Firma Doertenbach es ermöglichte, immer wieder neue Schürfungen zu finanzieren.


Kobalterze reichten nicht aus

Ab 1740 reichten die Vorkommen der Witticher Gruben an Kobalterz nicht mehr aus, um den Bedarf des Blaufarbenwerkes zu decken. Um vor allem den Holländern genügend blaue Porzellanfarbe liefern zu können (jährlich bis zu 700 Fass),  führte das Werk Kobalt aus den Pyrenäen, aus Böhmen und der Steiermark ein. Das war natürlich eine sehr kostspielige Erzbeschaffung.

Das Kobaltblau wurde in der Farbmühle zuerst zu Glas geschmolzen, dann zerpocht, nass vermahlen, gewaschen, sortiert und noch einmal durch die Mühle gelassen. Der noch bis heute  erhaltene Name Farbmühle erinnert an diesen Industriebetrieb. Die ehemalige Gemeinde Bergzell hatte diesem
Bereich die Gewann- und Straßenbezeichnung „Farbmühle“ gegeben.


Waldwirtschaft Lieferant für den Betrieb der Öfen

Die Flammenöfen wurden ausschließlich mit Holz gefeuert. Das Farbwerk war deshalb für die heimische Waldwirtschaft ein Großabnehmer ersten Ranges. Wurde doch während eines Jahres im Durchschnitt 1000 Klafter Brennholz verbraucht.

Eine Abbildung der Anlage findet sich auf dem Witticher Gedächtnis- und Ausbeutetaler von 1729. Als die „Häuer“ den alten Schacht der Grube „St. Joseph“ säuberten, stießen sie auf einen Anbruch von 41 Pfund gediegenem Silber. Dieser überraschende Fund veranlasste die Gewerkschaft einen Ausbeutetaler prägen zu lassen.

Im Jahre 1750 bekam die Witticher Farbmühle Konkurrenz durch eine neue Farbmühle in Nordrach.
Hinzu kam, dass die Kobaltlieferung aus Spanien nachließ.  Das Werk verzeichnete immer mehr Defizit. Ein Teil der Brennöfen mussten stillgelegt werden. Die Farbmühle wurde zum Verkauf ausgeschrieben.
Es fand sich aber kein Käufer. Das Handelshaus Doertenbach machte weiter. 1837 war es dann aber endgültig vorbei.


Konkurrenz durch synthetisch hergestellte blaue Farbpigmente

Die Erfindung und Produktion der neuen künstlichen Ultramarinfarben bedeuteten eine so starke Konkurrenz, dass sich die Herstellung von Blaufarben aus Kobalterz nicht mehr lohnte. Die Farbmühle, die über 130 Jahre mit zum Teil recht beachtlichem Erfolg betrieben wurde, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts verkauft und anderweitig industriell genutzt.
Die Verarbeitung der Witticher Erze übernahm bis 1845 der neugegründet Badische Bergwerksverein in der Alpirsbacher Farbmühle.

Neuer Eigentümer der Farbmühle-Gebäulichkeiten wurde der „Verein für chemische Industrie Frankfurt/Main“. Für den Betrieb einer Holzschleiferei, bei welcher Holz in Papier und Pappe umgewandet wurde, war außer Wasser auch viel Strom erforderlich.


Neubau eines Gewerbekanals

Deshalb stellte im Februar 1890 die Frankfurter Firma einen Bauantrag für einen neuen und weiteren  Gewerbekanal.
Dieser sah vor, das Wasser aus der Reinerzau schon auf Kaltbrunner Gemarkung zu entnehmen. Gebaut werden musste ein Wehr, von wo das Wasser über einen offenen Kanal in einen 1100 Kubikmeter fassenden Sammelweiher abgeleitet und von da über drei Tunnels mit einer Länge von insgesamt rund 590 Meter und zuletzt über eine oberirdische schmiedeeiserne Rohrleitung dem Turbinenhaus auf dem Firmengelände zugeleitet wurde. Gesamtgefälle vom Wehr Vortal bis zur Fabrik neunundzwanzig Meter.

Schon nach drei Wochen hatte der Bauantragsteller für ein solches Bauprojekt die Baugenehmigung vom Bezirksamt erhalten. Alle Bedenken von Seiten der Flößer, des Sägmüllers Karl  Mantel und der Gemeinde Kaltbrunn wegen des Fischwassers wurden durch Zusagen des Vereins für chemische Industrie im Voraus ausgeräumt.
Vor der Genehmigungsverhandlung in Wolfach traf sich die Bachgemeinde Kaltbrunn unter Vorsitz von Bachvogt Karl Harter aus Kaltbrunn im Gasthaus „Linde“ im Vortal. Teilnehmer waren die Fürstlich Fürstenbergische Standesherrschaft, Bürgermeister Armbruster und die Bachausschuss-mitglieder von Kaltbrunn, Mitglieder der Bachgenossenschaft Reinerzau mit Schultheiß und Bachvogt und vom Königlich Württembergischen Revieramt Alpirsbach der Schultheiß.
Sie verlangten die Freihaltung der Floßstraße mit einer Breite von 4,50 Meter innerhalb des Wehres, die Gestattung einer Einbindestätte auf der Wiese zwischen Kanal und Reinerzau. Ferner sei eine Stunde vor Abgang eines Floßes die Kanalfalle vollständig zu schließen und die Wehrfalle zu öffnen. Das gleiche Recht steht für den Fall zu, dass einem Floß ein Schwall- oder Weiherwasser nachgeflutet werden muss. Weiter wurde auf die Einhaltung der Bachordnung für den Floßbetrieb auf dem Kaltbrunner Bach vom 13. Juli 1856 verwiesen.

Direktor Hermann Dietze von der Fabrik Wittichen und dessen Verwalter Franz Becker aus Bergzell konnten auf diese Forderungen wohl eingehen, zumal ja vorauszusehen war, dass die Flößerei auf der Reinerzau in Bälde nicht mehr betrieben werde.


Durch Wasserkraft werden 1,5 Millionen Kilowatt Strom erzeugt

Drei Jahre später wurde die bewegliche Wehrfalle um weitere fünfzehn Zentimeter auf sechzig Zentimeter erhöht.
Noch heute werden durch diese Wasserkraft im Jahresmittel rund 1,5 Millionen Kilowatt Strom erzeugt. Damit könnten nahezu alle Haushaltungen im Ort Schenkenzell mit Strom versorgt werden. 
Anlagenbetreiber ist die Firma Schwarzwälder Textil-Werke Schenkenzell.

1896 wandelte der Verein für chemische Industrie die Fabrik Holzschleiferei um in eine Anlage zur Erzeugung elektrischer Energie und zur Bereitung von Chlor und Chlorkalk. Die Bachanlieger der Reinerzau äußerten hier anfangs erhebliche Bedenken. Sie sahen durch die in die Reinerzau eingeleiteten Abwässer eine Gefahr für das Trinkwasser in ihren Tiefbrunnen. Nur unter der Auflage, die Abwässer der Fabrik in geringen Mengen und stark verdünnt auf den ganzen Tag verteilt in den Bach einzuleiten, wurde die Genehmigung vom Bauamt erteilt. Weitere An- und Ausbauten erfolgten. Zur Betriebseinrichtung zählten auch zwei Dampfmaschinen.


Reißbaumwollfabrik – heute Gemeindebauhof

Im Jahre 1919 gründete Heinrich Kautzmann mit dem Werk der ehemaligen Farbmühle die Schwarzwälder-Textil-Werke Schenkenzell. Das Produktionsprogramm bestand aus hochwertigen Reißbaumwollen. Durch einen Großbrand 1974 verwüstet, wurde die Reißerei von Bergzell nach Schenkenzell verlagert.

Die ausgebrannten Gebäulichkeiten wurden abgerissen.
Den Rest hatte die Gemeinde Schenkenzell für den Gemeindebauhof aufgekauft. Das Turbinenhaus und die beiden Verwaltergebäude blieben nach wie vor im Eigentum der Schwarzwälder Textil-Werke.

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