FriedWald-Vertrag unter Dach und Fach


21.06.2012
Schwarzwälder Bote. Von Lothar Herzog Schenkenzell

Begraben an der Wurzel eines ausgesuchten Baumes, sozusagen an einem lebenden Grabstein in der Ruhe des Waldes und der freien Natur.Diese alternative Bestattungsform gibt es jetzt in Schenkenzell auf dem 760 Meter hoch gelegenen Roßberg im Ortsteil Kaltbrunn.

Bürgermeister Thomas Schenk, Forstbetriebsleiter Jens Borchers vom Waldbesitzer Haus Fürstenberg sowie Friedwald-Geschäftsführerin Petra Bach trafen sich gestern an Ort und Stelle, um mit der Vertragsunterzeichnung ein letztes Siegel unter einen zweijährigen, zähen Verfahrensmarathon zu setzen.

Der neue, rund 50 Hektar große Friedwald auf Gemarkung Schenkenzell ist der 43. Standort der Friedwald GmbH in Deutschland, der neunte in Baden-Württemberg und der fünfte mit dem Adelshaus aus Donaueschingen. Nach der Unterzeichnung des 15-seitigen Kontrakts im Dreiecksverhältnis wurde der erst kürzlich mit einem großen Holzkreuz hergerichtete Andachtsplatz begutachtet.

Auch der nur einen Steinwurf entfernten Roßberg-Kapelle, in der einmal kleinere Trauerfeiern für Beisetzungen stattfinden sollen, wurde ein Besuch abgestattet. Die dringend erforderliche Sanierung des kleinen Gotteshauses dürfte der nächste große (finanzielle) Kraftakt zwischen der Kommune und dem Besitzer, Zu Fürstenberg, sein. Martin Hermann, Revierförster des Adelshauses, wird künftig den Friedwald auf dem Roßberg betreuen.

Er freue sich auf die neue Herausforderung, den Wald den Menschen von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Trotz erhaltener Schulung betrete er damit Neuland. Er müsse sich nun auch im Bestattungswesen und in den Baumarten auskennen.

So seien Bestattungen in Form von Einäscherungen nur an Tannen und Buchen möglich. Die Fichte komme als Flachwurzler nicht in Betracht, da sie stark sturmgefährdet sei. Der Forst entwickle sich heute immer mehr zu einem Spagat zwischen Wirtschaftswald und Naturwald und er stehe dazwischen. "Wenn in der Forstwirtschaft viele Dinge zusammen geführt werden können, ist in einem vernünftigen Maß vieles möglich", bekräftigt der Förster, der den Umfang seines neuen Tätigkeitsgebiets noch nicht abschätzen kann. Die künftige Waldbewirtschaftung im Bereich des Friedwaldes könne natürlich nicht mehr wie bisher erfolgen und müsse angepasst werden. In der Winterzeit werde es zwischen Dezember und März keine Führungen geben, verriet Hermann auf Anfrage. Für Interessenten sind jetzt schon zahlreiche Tannen mit einem blauen Band als mögliche Bestattungsstätte umwickelt. Die feierliche Eröffnung des Friedwalds auf dem Roßberg ist für den 13. Juli um 14 Uhr vorgesehen.

Die Friedwald GmbH mit Sitz in Griesheim bei Darmstadt wurde im September 2000 gegründet. Die Eröffnung des ersten Friedwalds erfolgte im November 2001 im Reinhardswald bei Kassel. Es war der erste Friedwald mit Naturbestattung in Deutschland. Jährlich begleitet das Unternehmen knapp 30 000 Beisetzungen.

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