- Erklärungstafel am Hansjakob- 
  Wanderweg

Zeugen der Flößerei wieder freigelegt

Von Willy Schoch
Schenkenzell
 
Einer der letzten Zeugen alter Flößerherrlichkeit ist auf Gemarkung Schenkenzell noch gut erhalten. Dies 125 Jahre nach Aufgabe der Flößerei im oberen Kinzigtal im Jahre 1894. Ein Anmährhaken und eine Hafte, eingelassen in einen zweit Meter langen Granitfels. Anhalten und festmachen hieß in der Flößersprache „Anmähren“. Das Floß am Ufer an Haken, Ösen oder Balken festmachen. Beim „Eselsschreiner“, so ein alter Hinweis, gegenüber der Einmündung des Eselbaches in die Reinerzau ist diese ehemalige Anlegestelle der Flößer. Der Ausdruck „Anmähren“ ist wohl aus dem Holländischen entlehnt.
 
Über Jahrhunderte wurden dort die vom Kaltbrunner Bach und dem württembergischen Teil der Reinerzau kommenden „Waldflöße“ angehalten. Waldflöße waren schmal, hatten aber bis zu sechszehn Gestöre. Im Gewann Eselbach wurden die Flöße dann von der Bachgemeinde Kaltbrunn, die die Aufsicht auf dem Kaltbrunnerbach und auf dem Reinerzaubach von der Landesgrenze bis zum Eselwuhr hatte, an die Schenkenzeller Floßgespannschaft übergeben.
 
Die Schenkenzeller Floßknechte brachten dann das Floß zum Schenkenzeller Weiher bei der Schenkenburg. Dort wurden die sogenannten Waldflöße zu größeren Kinzigflößen umgebaut. Der Schenkenzeller Weiher war der große Holzumschlagplatz im Kinzigtal. Mit dem Umbau wurden die Flöße breiter und länger, teilweise auch mit Oblasten (Kobaltfarben aus den Farbmühlen von Wittichen und Alpirsbach) beladen.
 
Vom Schenkenzeller Weiher gingen täglich bis zu fünf Flöße ab in Richtung Rhein. Reichte der Platz an der Spannstätte bei der Schenkenburg nicht aus, mussten die Waldflöße im Eselbach gestoppt und angemährt werden.
 
Wohl kommt der Name des Gewannes Eselbach aus der Flößerzeit. Denn die Flößer bezeichneten mit „Esel“ eine Anlagestelle vor der Einmündung eines „Grundbaches“, einer nichtöffentlichen Floßstraße, in die Kinzig oder Reinerzau. Flurnamen, in denen das Wort „Esel“ vorkommt, gibt es im oberen Kinzigtal öfters. Das Wort hat aber nichts mit dem bekannten „Langohr“ zu tun.
 
Die Notwendigkeit, Flöße auf Zeit in Wartestellung zu halten ist mit der Flößerei untrennbar verbunden. Von Beginn an gab es Einrichtungen, die dies ermöglichten. Dies schlägt sich in all den Bach- und Flözer-Ordnungen nieder. So heißt es im „Künziger-Floz-Haupt- und Nach-Recess“ von 1797, „Die Flöße sollen nicht an gebauten Gütern, Mauren, zahmen Bäumen“ angemährt werden. Fruchtragende Bäume waren demnach ausgeschlossen.
 
Der Bauhof der Gemeinde Schenkenzell hat dieser Tage den Granitfels mit dem Anmährhaken am Bachbett der Reinerzau wieder vom angeschwemmten Geröll freigelegt. Das Relikt ist nun wieder gut vom Gehweg aus sichtbar. Gleichzeitig wurde auch die letzte der 27 neuen Erklärungstafeln entlang des Hansjakobweges aufgestellt.



- Anmährhaken und Hafte an der Floß-Anlegestelle am Reinerzaubach

Foto – Willy Schoch


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