Burgruine Schenkenburg  - Seit 60 Jahren Eigentum der Gemeinde Schenkenzell

Willy Schoch

Die Burgruine Schenkenburg ist seit  sechzig Jahren im Eigentum der Gemeinde Schenkenzell. Einst Stammburg der Grafen von Freiburg, der Geroldsecker und Fürstenberger. Erbaut Anfang des 13. Jahrhunderts, seit 1534 eine Ruine. Dieses historische Bauwerk wird derzeit mit einem enormen Aufwand saniert.

Das Wahrzeichen von Schenkenzell ist zweifelsohne die Ruine Schenkenburg. Sie ist hoch oben auf einem schmalen felsigen Bergrücken, umgeben von der Kinzig, von Weitem sichtbar. Die Schenkenburg gehört neben der Burg Hohengeroldseck zu den ältesten Burgen des Kinzigtals. Erbaut wurde sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und bewohnt in der Anfangszeit von den Schenken von Zell. Diese haben der Burg und dem Dorf den heutigen Namen gegeben. In späteren Jahren setzten die Geroldsecker neue Burgvögte zur Verwaltung der Schenkenburg ein. Erbteilungen und Nachlassstreitigkeiten schwächten den Besitz sehr. Durch eine Bürgschaft erwarb Graf Konrad von Fürstenberg im Jahre 1481 erste Ansprüche auf das Schloss und Dorf Schenkenzell.

Den Sturm des Bauernkrieges überstand die Schenkenburg recht gut. Nicht überstand die Burg aber den Besitzstreit und den politischen Zwist zwischen dem Lehensherrn, dem Grafen Wilhelm von Fürstenberg, und den Junkern von Weitingen. Der Graf zog im Jahre 1534 mit seinem Kriegsvolk vor seine eigene Feste, die Schenkenburg, lies sie einnehmen und bis auf die Grundmauern niederbrennen.

Graf ließ eigene Burg niederbrennen
So fand die alte einst bedeutende Burg ein ruhmloses Ende. Ursprünglich ein fünfgeschossiger romanischer Palas, einem Bergfried, doppelwandigem Zwinger und drei Ringmauern. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut und blieb bis heute eine Ruine. Was heute noch zu sehen ist, sind Teile des Palas, der zum Teil bis ins 3. Stockwerk erhalten geblieben ist, sowie der Stumpf des Bergfrieds und Rest der Umfassungsmauern. Die Schenkenburg und der Schlosshof lagen auf  der Mayerschaft, ehemals Gemarkung Bergzell. Eigentümer war Anfang des 19. Jahrhunderts Philipp Kilgus, ab 1840 Dorfmüller Anton Gruber und Sonnenwirt Simon Armbruster gemeinsam. Wem nun was gehörte wurde in einem Lageplan von einem Geometer aus Winzeln
nach der Steigerung festgelegt und rund dreißig Jahre später dann auch notariell beurkundet. Der Sonnenwirt bekam die Flächen links der Kinzig, also den heutigen Schlosshof, und der Dorfmüller das Areal rechts der Kinzig, die Schenkenburg mit Umland.

Auf dem Grundstück standen zwei Gebäude. Einmal das Hofgebäude „Schlosshof“ und das Leibgedinghaus. Das Hofgebäude, welches 1747 gebaut wurde,  wurde 1873 im Zuge des Ausbaues der Kinzigtalstraße abgebrochen.
Das Leibgedinghaus, das sogenannte „Nägelehaus“ steht heute noch. Dorfmüller Anton Gruber starb 1856. Erst vierzig Jahre nach seinem Tod wurden sein Grundvermögen Schenkenburg von den Erben in cirka 40 Parzellen geteilt und diese dann jeweils an die Meistbietenden versteigert.
Käufer waren unter anderem Schreiner Göhring, Hofbauer Haaser, Schmied Hilberer, Verwalter Franz Becker, Maler Göhring, Schuster Herrmann, Bachvogt Maier, Schuhmacher Rauber, Bierbrauer Gruber, Polizeidiener Kopp, Schmied Fürst, Wagner Rauber, Uhrmacher Lehmann, Müller Gruber und Techniker Otto Hörth. Überwiegend Schenkenzeller Bürger. Das gesamte Areal der Ruine Schenkenburg und das ehemalige Leibgedinghaus des Hofgutes Schlosshof ersteigerten sich der Küfer Johannes Dieterle und seine Ehefrau Albertine Gruber im Jahre 1896. Wohlhabende Kaufleute aus Stuttgart waren es, die Gefallen an der Schenkenburg fanden. Aufmerksam auf die Schenkenburg wurden Fritz Wever und Eduard Haueisen als leidenschaftliche Auerhahnjäger. Schnell waren sich die Stuttgarter mit der Küferfamilie Dieterle einig. Sie verkauften das gesamte Schenkenburgareal und das Leibgedinghaus. Lediglich einen Bauplatz behielten sie sich zurück.
Vom Verkaufserlös bauten sich Dieterles dann noch im selben Jahr auf der der anderen Straßenseite ihr Wohnhaus. Vier Jahre später erhielten sie die Konzession für den Betrieb der Wirtschaft
zum „Schlosshof“. Albertine Dieterle war eine sehr unterhaltsame Wirtin.
Viel wusste sie den Gästen von ihrem langjährigen Amerikaaufenthalt zu berichten. Bekannt ist heute noch ihr Ausspruch gegenüber
Ihren Gästen zu vorgerückter Stunde: „Meinen Sie, Sie bekommen nicht zu viel?“ Der Wirtschaftsbetrieb wurde 1918 aufgegeben.

Stuttgarter Kaufleute erwarben Schenkenburg
Gleich nach dem Grunderwerb gingen die Stuttgarter Kaufleute mit Elan an den Bau des „Burg-Hotels“. Kurz vor 1900 war es soweit.
Das Gebäude, ein Palast zur damaligen Zeit. Etwas ganz Besonderes. Nur Herrschaften gingen ein und aus. Mit schmucken Kaleschen  und später
mit Mercedes-Limosinen waren sie vorgefahren. Für den Besitzer Wever war die Ruine, all die Wege und Stege, sein ein und alles. Er war um deren
Pflege und Erhalt stets bemüht. Nach dem Tode von Haueisen und Wever ging
der Besitztum 1926 im Wege der Erbfolge auf einen pensionierten Zahnarzt Dr. Henry Marmignat und seine drei ledigen Schwestern über.
Auch diese kamen aus Stuttgart. Sie verbrachten hier unterhalb der Ruine ihren Altersruhesitz. Der Hotelbetrieb wurde eingestellt und eine Hausdame namens Elisabeth Nägele angestellt. Anfang des Krieges starb Dr. Marmignat.
Die Villa, das Ruinengelände und das Wohnhaus, in welchem die Hausdame Nägele weiterhin wohnte, wechselte 1940 den Besitzer und ging an den Fürstlich Fürstenbergischen Pensionsfond für den Betrieb eines Erholungsheimes. Als Verwalter wurde der Revierförster
Franz Müller eingesetzt. Auf Kriegsende waren dort die Franzosen untergebracht.

Gemeinde Schenkenzell wird Eigentümer
Seit dem 13. Mai 1953 ist die Gemeinde Schenkenzell Eigentümer der Ruine Schenkenburg und der beiden Gebäulichkeiten. Beim Notariat in Donaueschingen unterzeichnete Bürgermeister Hermann Hauer den
Kaufvertrag. Das Schenkenzeller Wahrzeichen kam in den Gemeindebesitz. Die Bürger waren glücklich darüber. Als die Gemeinde Schenkenzell von der Verkaufsabsicht der Fürstlich Fürstenbergischen Kammer hörte, meldete man gleich Interesse am Kauf an. Über eineinhalb Jahre liefen die Verhandlungen.
Die Gemeinde wurde aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Ein unübliches Verlangen vom Verkäufer. Damit tat sich der Gemeinderat damals auch sehr
schwer. Ein Kaufpreisrahmen wurde festgelegt. Bei einer Kaufsumme von 50.000 Mark kam es zur Einigung. Dies war auch das Limit, welches
sich die Gemeinde setzte. Gleich nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages
beschlossen die damaligen Gemeinderäte Matthäus Jehle, August Kilgus, Franz Kinle, Adolf Groß und Karl Friedrich Armbruster zusammen
mit Bürgermeister Hermann Hauer ein Burgfest unter Beteiligung der örtlichen Vereine und der ganzen Bürgerschaft abzuhalten. Die Burganlage war von da ab wieder für die Allgemeinheit zugänglich. Dass nun gerade bei diesem ersten Burgfest am 7. Juni 1953 auf der Schenkenburg ein Bier einer Alpirsbacher Brauerei ausgeschenkt wurde, war nicht gerade im Sinne der Fürstlichen Brauerei. Die Gemeinde aber gelobte Besserung.

Kaum ein Jahr verging und das ehemalige Burg-Hotel wurde mit Leben erfüllt.
Adlerwirt Ruprecht Armbruster eröffnete mit der Gastwirtschaft „Schenkenburg“ einen Filialbetrieb. Von da ab war es für sechs Jahre ein Wandertreff für Schenkenzeller und Schiltacher. Sechs Jahre ein pulsierendes Leben unterhalb der Ruine. Durch die nachfolgenden Pächter war das Wirtschaftsgebäude  dann etwas heruntergekommen. Mit dem Verkauf an Settimio Ianni hatte die Gemeinde 1978 eine glückliche Hand. Er machte in den sechzehn Jahren die Gaststätte wieder zu einem renommierten und weithin angesehenen Unternehmen. Auch sein Nachfolger führt diese Tradition bis auf den heutigen Tag fort.


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